
Linearbeschleuniger (LINAC)
In der modernen Radiotherapie erfolgt die Applikation der Strahlung (Photonen oder Elektronen) in den meisten Fällen mit einem Elektronen-Linearbeschleuniger, kurz LINAC (engl. LINear ACcelerator) genannt (Fig. 6).
Fig. 6
Die Strahlung – unser Wirkstoff – wird vom Linac nur während der kurzen Bestrahlungszeit (einige 10sec) produziert, ansonsten ist im Bestrahlungsraum keine Strahlung vorhanden. Der LINAC besitzt keine radioaktive Quelle, die dauernd strahlt, und die Patienten werden durch die Behandlung auch nicht radioaktiv.
Der LINAC kann, je nach Bedürfnis, zwei unterschiedliche Arten von Strahlung erzeugen, die ultraharte Röntgen- und die Elektronenstrahlen. Erstere unterscheiden sich von den in der Diagnostik eingesetzten Röntgenstrahlen nur durch die viel höhere Energie. Die ultraharten Röntgenstrahlen werden dank ihrer grossen Eindringtiefe ins Gewebe vorwiegend für die Behandlung von tief liegenden Tumoren eingesetzt. Die Elektronenstrahlen hingegen eignen sich für die Behandlung von an der Oberfläche gelegenen Tumoren. In jedem Fall ist die Strahlung weder sicht- und noch spürbar.
Die Strahlenquelle des LINACs kann um 360° um den Patienten herum gedreht werden. Dies erlaubt die Bestrahlung mit mehreren Feldern aus unterschiedlichen Richtungen (typisch 2-4 Felder). Das Bestrahlungsfeld wird aus jeder Einstrahlrichtung mit Hilfe von Strahlbegrenzern (Kollimatoren, Lamellenkollimatoren (Fig. 7)) individuell der Form des Tumorvolumens angepasst. Wie bereits erwähnt wird die korrekte Form des Bestrahlungsfeldes vor der ersten Bestrahlung stets überprüft (Fig. 8), indem die Form eines vom Linac erzeugten Lichtfeldes mit der Planvorgabe verglichen wird. Der ganze Bestrahlungsablauf wird von einem Computersystem überwacht und die Bestrahlung wird jeweils nur frei gegeben, wenn alle vorgegebenen mit den tatsächlich eingestellten Parametern übereinstimmen. Die korrekte Bestrahlung wird mit einem Bildgebungssystem, welches die aus dem Patienten austretende Strahlung registriert, dokumentiert. Dieses Röntgenbild wird mit dem entsprechenden im Therapieplanungssystem erzeugten Referenzbild verglichen, auf welchem die Form des Bestrahlungsfeldes und die relative Lage der Bestrahlungsregion zum Strahlenfeld dokumentiert sind.
Fig. 7

Fig. 8
Die Erhaltung einer hohen Lebensqualität während und nach der Therapie ist eines der vordringlichsten Ziele der Strahlentherapie. Hier bietet die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) in speziellen Fällen Potential für eine Verbesserung. Im Gegensatz zu der konventionellen Therapie wird bei der IMRT die Intensität der Strahlung mit Hilfe des Lamellenkollimators während der Applikation moduliert. Diese Technik erlaubt es, die Region hoher Dosis noch optimaler der Form des Tumors anzupassen, was eine bessere Schonung von Risikoorganen zur Folge hat. Um das Potential der IMRT voll auszuschöpfen, muss diese Technik mit einer bildgeführten Therapie (engl. Image Guided Radiotherapy IGRT) kombiniert werden. Die IGRT ermöglicht es dank entsprechender Bildgebung das Bestrahlungsfeld Millimeter genau im zu bestrahlende Gebiet zu positionieren. Beide Techniken, IMRT und IGRT werden in unserem Radio-Onkologiezentrum angeboten.

